Wachsen bedeutet nicht, ständig an sich zu arbeiten.
Neulich unterhielt ich mich mit einer Bekannten über meine Freude am Wachsen – am Lernen, am Weiterentwickeln, am Entdecken. Sie reagierte skeptisch. Für sie klang das nach einem typischen „Coach-Ding“: ständig an sich arbeiten, Ziele erreichen, alles aus sich herausholen.
„Kann ich nicht einfach so sein wie ich bin?“ fragte sie mich.
„Aber ja doch – genau darum geht es.“
Im Wissenschaftssystem ist Wachstum oft mit Leistung gleichgesetzt: mehr publizieren, mehr sichtbar sein, mehr erreichen. Der Druck, sich ständig weiterzuentwickeln, kann sich anfühlen wie ein weiterer Punkt auf der ohnehin schon langen To-Do-Liste.
Aber Wachstum bedeutet für mich etwas anderes: nicht mehr aus sich herausholen, sondern mehr zu dem werden, was man bereits ist. Die eigene Stimme klarer hören. Die eigene Expertise klarer sehen. Den eigenen Weg klarer gehen.
Wie ein Baum, der nicht nach einem festen Ziel wächst – sondern in alle Richtungen, in jedem Moment vollkommen das, was er ist. Krone und Wurzeln gleichzeitig.
Genau das erlebe ich immer wieder im Coaching und in Workshops mit WissenschaftlerInnen: Der wertvollste Moment ist nicht der, in dem jemand eine neue Strategie entwickelt. Es ist der, in dem jemand erkennt, was längst da war.